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BCAA – Die ganze Wahrheit über Branched Chain Amino Acids

Alles was du über BCAA wissen musst! Einnahme - Wirkung - Preisvergleich

Die verzweigtkettigen Aminsäuren Leucin, Isoleucin und Valin sind aufgrund eines Shitstorms bzw. Antihypes in den sozialen Medien etwas in Verruf geraten. Bis dahin galten BCAA fast schon als anaboles Wundermittel und absolutes must have nicht nur unter Bodybuildern und Kraftsportlern. Warum? Die drei essentiellen Aminos spielen eine Schlüsselrolle bei der Muskelproteinsynthese und stellen aufgrund deren besonderer Eigenschaft und der Tatsache, dass sie nach Einnahme sofort im Blut frei verfügbar sind, einen Effektiven Muskelschutz dar. Sind die Aminosäuren nämlich im Blutkreislauf frei verfügbar, muss der Körper bei Bedarf nicht auf Reserven zurückgreifen und Muskulatur abbauen, um so an diese zu gelangen. Darüber hinaus wirken sich BCAA stabilisierend auf den Insulinspiegel, positiv auf die Ausdauerleistung und auf die Körperzusammensetzung aus.

Größen des Bodybuildings und viele erfahrene Trainer halten nach wie vor an diesen drei besonderen Aminosäuren und deren positiver Wirkung im Bezug auf Muskelaufbau und Muskelerhalt während Diäten fest, während junge Anhänger der „Science“ Fraktion von isolierten BCAA abraten. Wer Recht hat oder, ob die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte liegt, wann die Einnahme Sinn macht und wann nicht, was du dabei beachten musst und welche Wirkung du erwarten kannst, erfährst du im folgenden Artikel.

 

Was BCAA überhaupt sind

B.C.A.A. steht im Englischen für „branched chain amino acids“, was ins Deutsche übersetzt „verzweigtkettige Aminosäuren“ bedeutet und die Aminosäuren L-Leucin, L-Valin und L-Isoleucin umfasst. Der Begriff ist auf die chemische Struktur dieser besonderen Aminosäuren zurückzuführen.

Leucin, Isoleucin und Valin sind grundsätzlich Bestandteil eines jeden kompletten Proteins. Vollständige Proteine bestehen aus nicht essentiellen, semi essentiellen und essentiellen Aminosäuren, welche, je nach Proteinquelle, in unterschiedlichen Mengen und Verhältnissen vorhanden sind. Bei den BCAA handelt es sich um drei von acht essentiellen Aminosäuren. Essentiell bedeutet, dass unser Körper diese Aminosäuren nicht selbst herstellen kann und auf eine Zufuhr über die Ernährung angewiesen ist. Nicht essentielle Aminosäuren hingegen lassen sich je nach Bedarf aus essentiellen Aminosäuren synthetisieren. Bei semi essentiellen Aminosäuren ist das ein bisschen komplizierter. Diese sind grundsätzlich nicht essentiell, können aber in bestimmten Situation, zum Beispiel bei erhöhter körperlicher Belastung, essentiell werden.

Innerhalb der essentiellen Aminosäuren nehmen BCAA nochmal ein besondere Rolle ein, da diese nicht wie die meisten Aminosäuren über die Leber verstoffwechselt werden, sondern direkt in den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Muskulatur.

Bei isolierter Zufuhr der verzweigtkettigen Aminos gilt als optimales Verhältnis, wenn Leucin zu Isoleucin und Valin in der Ratio 2 : 1 : 1 vorhanden ist.

Unsere Muskulatur besteht zu 14-18 % aus diesen drei Aminos. Betrachtet man alle im Körper gebundenen Aminosäuren liegt deren Anteil sogar bei über 35%.[1] Mit diesem Fakt sollte die Wichtigkeit der BCAA recht deutlich werden.

 

Die Herstellung von BCAA

Aktuell findet man erfreulicherweise so gut wie nur noch Aminosäuren in veganer Qualität, die aus pflanzlichen, stärkehaltigen Rohstoffen oder über synthetische Herstellung gewonnen wurden. Dies hat den großen Vorteil, dass diese für jedermann geeignet sind und Menschen mit veganer Ernährungsweise, die besonders von der Einnahme profitieren, auch in den Genuss kommen. Warum Veganer besonders von Leucin, Isoleucin und Valin profitieren, erfährst du später.

Zumeist werden die verzweigtkettigen Aminosäuren aus Mais mittels des Fermentationsverfahrens hergestellt. Hierbei wird aus dem pflanzlichen Rohstoff eine stärkehaltige Nährlösung hergestellt, der Mikroorganismen zugesetzt werden, die die Fermentation auslösen. Während des Prozesses ist eine ständige Luft und Ammoniakzufuhr notwendig. Der Prozess ist ähnlich dem, der Verdauung. Dabei wird das pflanzliche Protein aufgespalten und man erhält die einzelnen Aminosäuren.

Durch die Fermentationsmethode werden vorrangig Leucin, Isoleucin, Lysin, Tyrosin, Alanin, Valin, Phenylalanin, Tryptophan, Threonin und Glutaminsäure gewonnen.

Chemisch sieht das am Beispiel der Gewinnung von L-Gluatminsäure aus D-Glucose wie folgt aus:

Herstellung von BCAA mittels Fermentation
Bildquelle: Chemie in unserer Zeit, 1984, WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Vol. 18

 

Die Funktion der einzelnen BCAA

Hierzu muss man sich die drei Aminosäuren getrennt voneinander zu Gemüte führen und ihre Wirkung erst einzeln und dann im Zusammenspiel betrachten. Besonders relevant sind hierbei Leucin und Isoleucin.

Leucin

Leucin besitzt eine Schlüsselfunktion beim Aufbau von Körpergewebe und anabolen (aufbauenden) Vorgängen im Körper. Durch körperliche Belastung, wie Kraft- oder Ausdauertraining, werden grundsätzlich erstmal Körperzellen in Form von Muskelzellen zerstört und ein kataboles Umfeld geschaffen. Während der Regenerationsphase, werden die entstanden Schäden behoben und im besten Fall die beanspruchte Muskulatur verstärkt, um der nächsten Belastung besser Stand zu halten. Dieses Prinzip wird auch als Superkompensationsprinzip bezeichnet.

Um die Schäden zu beheben muss natürlich das richtige „Material“ in Form von freien Aminosäuren im Blut vorhanden sein. Sollte dies nicht ausreichend vorhanden sein, würde unser Körper körpereigenes Protein abbauen, um daraus freie Aminosäuren zu gewinnen. Leucin stellt hierbei einen der wichtigsten Bausteine während der Regeneration dar, da Leucin als Signalgeber für die Einleitung des Regenerationsprozesses dient. Leucin stimuliert die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse und reduziert die Freisetzung von Cortisol, dem Stresshormon, das während Belastungen vermehrt freigesetzt wird und katabole Vorgänge begünstigt. Darüber hinaus wirkt sich Leucin positiv auf die Ausschüttung des Wachstumhormons aus.

Leucin stellt den Schlüssel für die Einleitung Gewebeaufbauender Prozesse dar.

Isoleucin

Isoleucin kann bei starken körperlichen Belastungen als Energiespender dienen und sorgt für die Neubildung roter Blutkörper, die unter körperlicher Belastung vermehrt benötigt werden. Die roten Blutkörper (Hämoglobin) sind nämlich für den Sauerstofftransport im Körper zuständig. Als Energiespender stabilisiert Isoleucin den Blutzuckerspiegel. Diese Funktion wird besonders wichtig, wenn sich die Glykogenspeicher dem Ende neigen.

Isoleucin regt die Hämoglobinbildung an und stabilisiert den Blutzucker

Valin

Valin, die dritte Aminosäure im Bunde ist ebenfalls an Wachstumsprozessen im Körper beteiligt und kann wie Isoleucin bei Bedarf und Notstand als Energie genutzt werden. Zudem sorgt Valin für eine optimierte Aufnahme von weiteren Aminosäuren. Eine Besonderheit von Valin ist, dass dieses bei Bedarf zu wichtigen Botenstoffen synthetisiert werden kann.

Valin stellt den Allrounder der BCAAs dar und unterstützt Leucin und Isoleucin in ihrer Wirkung

Wie wirken BCAA?

Da wir uns der Rolle der einzelnen Aminosäuren der BCAAs gewidmet haben ist es nun an der Zeit sich die direkte Wirkung des Trios anzuschauen und wofür BCAA eigentlich gut sind.

Die Wirkung von BCAAs ist vielseitig. Grob gegliedert können diese die Muskelproteinsynthese erhöhen, die Fettverbrennung optimieren und Glykogen einsparen. Diese besonderen Eigenschaften führen uns zur Muskulatur schützenden (antikatabolen) und Körperkomposition verbessernden Wirkung und verdeutlichen, warum Leucin, Isoleucin und Valin besonders, aber nicht nur, während einer Diät sehr wohl Sinn machen. Aber auch bei langen sportlichen Einheiten und zur Beschleunigung der Regeneration können diese Eigenschaften sehr interessant werden. Die positive Wirkung beschränkt sich natürlich nicht nur auf den Kraftsport. Auch Ausdauerathleten profitieren von den Leucin, Isoleucin und Valin.

Erhöhung der Muskelproteinsynthese

BCAA sind wohl mit am meisten bekannt aufgrund der die Muskelproteinsynthese stimulierenden Wirkung. In Kombination mit Widerstandstraining wird durch die drei essentiellen Aminosäuren mTOR stärker freigesetzt als mit einem der beiden alleine. mTOR dient der Steuerung und Regulierung von Wachstumsfaktoren, des Energiehaushalts und der Sauerstoffkonzentration in Zellen. Somit wird das Wachstum von Zellen, in diesem Fall unserer Muskelzellen, gesteigert.

In einer Studie, die im Medicine and Science in Sports and Exercise Journal erschien, wurden Sportlern mit Leucin angereicherte BCAAs während dem Widerstandstraining verabreicht. Hierbei wurde eine BCAA-Zusammensetzung mit einem 40 %-igen Leucingehalt verwendet. Das Resultat war eine gegenüber der Placebokontrollgruppe erhöhte Proteinsynthese nach dem Widerstandstraining.[2]

Glykogen sparen mit BCAAs

Hierbei kommen insbesondere zwei der drei verzweigtkettigen Aminosäuren zum Einsatz, nämlich Valin und Isoleucin. Diese beiden essentiellen Aminosäuren können nämlich über einen Vorgang, der sich Gluconeogenese nennt, unsere Glykogenvorräte in Muskulatur und Leber insofern schonen, dass diese zu Glucose synthetisiert werden..

Dies hat gleich zwei Vorteile. Der eine zeigt sich während langer Einheiten, wenn sich die Glykogenvorräte dem Ende neigen. In einer Untersuchung konnte in solch einer Situation sowohl an Ratten, als auch an Menschen nachgewiesen werden, dass sich die Energiebereitstellung nach Einnahme von BCAAs vor einer körperlichen Belastung signifikant verlängerte. Der zweite Vorteil kommt nach der sportlichen Belastung zum Tragen. Durch BCAA wird die Regeneration dadurch beschleunigt, dass die Muskelglykogenspeicher schneller wieder befüllt werden können.[3][4]

Die muskelschützende Wirkung

Die antikatabole (muskelschützende) Eigenschaft von BCAA wird über die glykogensparende Eigenschaft begründet, da diese, wie bereits beschrieben, bei Glykogenmangel zur Energiegewinnung verwendet werden können. Wären Leucin, Isoleucin und Valin nicht frei im Blut vorhanden, würde Muskelprotein abgebaut – dies stellt den katabolen Vorgang dar, den man möglichst vermeiden möchte -, um daraus welche zu gewinnen.

Insofern schützen BCAAS, welche vor körperlichen Belastungen, wie dem Kraft- oder Cardiotraining effektiv unsere hart antrainierte Muskulatur, wenn es mal mit dem Glykogen knapp wird.

Die Rolle beim Abbau von Fett

Wie gerade bei der antikatabolen Eigenschaft der BCAA geschildert, stellen diese aber natürlich nicht nur einen schnellen Energielieferanten für „Notsituationen“ dar, sondern steigern auch die Fettverbrennung (Fettoxidationsrate), wenn die Glykogenvorräte sich dem Ende neigen.[5]

Zwischenfazit zur Wirkung von BCAA:

Insgesamt kann man sagen, dass die verzweigtkettigen Aminosäuren uns nachweislich

  • länger und härter trainieren lassen,
  • dabei die Fettverbrennung unterstützen,
  • die Muskelproteinsynthese initiieren und
  • die Skelettmuskulatur schützen.

 

BCAA vs. EAA vs. Whey

Da BCAA Bestandteil der essentiellen Aminosäuren sind und diese wiederum Bestandteil eines jeden vollständigen Proteins sind stellt man sich zurecht die Frage, ob man diese überhaupt isoliert benötigt. Diese Frage lässt sich leider weder mit „Ja“ noch mit „Nein“ beantworten. Auch wenn beide Aussagen von so manchem propagiert werden. Es gibt vielmehr Umstände, bei denen man mit durch die zusätzliche Supplementation verzweigtkettiger Aminosäuren profitieren kann.

Betrachtet man verschiedene Studien im Detail, so lassen sich die Situationen, in denen die zusätzliche Gabe von BCAA Sinn machen können, eigentlich relativ klar deuten. Und zwar bei veganer Ernährung, proteinarmer Ernährung, bei kalorien- und kohlenhydratreduzierten Diäten, bei denen das Muskelglykogen knapp ist, und bei langen körperlichen Belastungen, durch die das Muskelglykogen knapp wird.

Ist der Kalorien und Proteinbedarf gedeckt, oder befindet man sich gar im Überschuss, bringt die Einnahme keine Vorteile mit sich. Dies liegt schlicht daran, dass wir über die Aufnahme von ausreichend Nahrungsprotein auch ausreichend BCAA zuführen. Ausreichend Nahrungsprotein ist dann vorhanden, wenn wir mindestens 1,5g Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu uns nehmen. Um auf Nummer sicher zu gehen empfehlen wir eher 2,0g pro kg Körpergewicht.

 

Der BCAA-Gehalt tierischer und pflanzlicher Proteinquellen

In einer üblichen Portion Whey Protein Konzentrat (30g) sind ca. 5,2g Leucin, Isoleucin und Valin, annähernd im Verhältnis 2:1:1 enthalten. Eine Portion eines üblichen EAA Produktes beinhaltet in der Regel BCAA ebenfalls in dieser Menge und in diesem Verhältnis.

Zubereitetes Hähnchen enthält pro 100g in etwa 3,7g BCAA. Noch etwas mehr sind in Rindfleisch enthalten. In Lachs und Kabeljau sind ca. 3,2g pro 100g enthalten.

Anders verhält es sich meist bei veganer Ernährungsweise. Dies liegt daran, dass pflanzliches Protein wesentlich weniger Leucin, Isoleucin und Valin enthält, als tierisches. So finden sich in 100g Sojaprotein nur etwas mehr als die Hälfte wie in 100g Molkenprotein. Reisprotein enthält etwas mehr BCAA als Soja, an tierische Proteine kommt dieses aber leider auch nicht heran. Somit empfiehlt sich für Veganer zusätzlich BCAA einzunehmen, um dieses Defizit auszugleichen.

 

Wann ist die Einnahme von BCAA nun sinnvoll?

  • Bei proteinarmer Ernährung / Mahlzeiten

Dies ist gegeben, wenn man weniger als 1,5g Protein pro Kilogramm Körpergewicht oder weniger als 30g Protein pro Mahlzeit zu sich nimmt.

  • Bei veganer oder vegetarischer Ernährungsweise

Pflanzliches Protein enthält erheblich weniger Leucin, Isoleucin und Valin, als tierische Proteinquellen. Da BCAAs essentielle proteinogene Aminosäuren sind, kann ein Mangel die gesamte Proteinsynthese limitieren.

  • Bei kalorien- und kohlenhydratreduzierten Diäten

Neigen sich die Glykogenspeicher dem Ende und sind nicht genügend freie BCAA im Blutkreislauf vorhanden, baut der Körper Muskelprotein ab und die Versorgung sicherzustellen.

  • Bei langen körperlichen Belastungen

Hier gilt das Selbe, wie bei vorherigen Punkt.

Einnahme von BCAA und auf was du unbedingt achten solltest

Die Einnahme von BCAA obliegt dem Zweck, den man mit der Einnahme verfolgen möchte und ist absolut situationsabhängig. Je nach Menge, die ergänzt wird, eignen sich unterschiedliche Produkte. Da BCAA Supplemente sehr gefragt sind, gibt es diese als Kapseln, Tabletten, Pulver in verschiedensten Geschmacksrichtungen und auch schon als fertige BCAA-Drinks mit weiteren nützlichen Inhaltsstoffen, wie B-Vitaminen. Nachfolgend werden Einnahmeempfehlung nach Zweck gegliedert. Ein Vergleich der Produkte im Hinblick auf die Verwendung lohnt sich.

Einnahme zum Muskelschutz

Befindet man sich in einer kalorienreduzierten Diät, empfiehlt es sich auf jeden Fall etwa 15 bis 30 Minuten ca. 5 Gramm vor dem Training einzunehmen, damit diese während des Trainings verfügbar sind.

Hier eignen sich aufgrund der schnelleren Aufnahme besonders BCAA Pulver oder BCAA Drinks. Kapseln oder Tabletten haben eine längere Magenverweildauer. Dies sollte bei der Einnahme vor und während dem Training berücksichtig werden.

Einnahme zur Steigerung der Muskelproteinsynthese

Sollte nach dem Training kein Protein in Form eines Proteinshakes oder einer Mahlzeit mit mindestens 30g Protein folgen, wären hier Studien zufolge nochmals 5 Gramm angebracht, um die Muskelproteinsynthese auszulösen und für einige Zeit am Laufen zu halten. Nichtsdestotrotz sollte hier möglichst zeitnah eine vollwertige, proteinhaltige Mahlzeit folgen, um die Muskelproteinsynthese auch über längere Zeit sicherzustellen, da bei alleiniger Gabe von BCAA ein Abfall entsprechender Werte ohne folgende Proteinmahlzeit nach einiger Zeit beobachtet werden konnte.

Zu diesem Zweck würden wir ebenfalls ein Pulver oder einen Drink empfehlen.

Einnahme zur Aufwertung proteinarmer Mahlzeiten

Bei proteinarmen Mahlzeiten eignen sich BCAAs zur Aufwertung. Hier sind diese je nach aufgenommener Proteinmenge zu dosieren. Pro 30g fehlendes Protein sollten 5g ergänzt werden.

Da man bei der Aufwertung proteinarmer Mahlzeiten in der Regel eine geringere Menge braucht und möglicherweise auch unterwegs ist und nicht im Restaurant oder bei Bekannten sein Pulver anmischen oder seinen BCAA Drink auf den Tisch stellen will, sehen wir hier als komfortabelste und praktischste Form Kapseln, die es in Dosierungen von 500mg bis 1000mg gibt.

Einnahme bei veganer oder vegetarischer Ernährung

Da pflanzliche Proteinquellen in der Regel nur 50-70% der BCAA-Konzentration von tierischen Proteinquellen besitzen, sind pro 30g pflanzliches Protein 2-3g empfehlenswert.

Zu diesem Zweck würden wir euch wie bei der Aufwertung proteinarmer Mahlzeiten aufgrund der einfachen Handhabung zu Kapseln raten.

Mögliche Nebenwirkungen bzw. Nachteile von BCAA

Da die verzweigtkettigen Aminosäuren Bestandteil eines jeden Nahrungsproteins sind, sind diese allgemein sehr gut verträglich. Bei Dosierungen von mehr als 0,5 Gramm BCAA pro Kilogramm Körpergewicht konnte beobachtet werden, dass die Konzentration der Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin signifikant zurückgeht. Ob dies negative Folgen haben könnte, ist noch nicht bekannt und unterliegt aktuellen Untersuchungen.[6]

 

Produktempfehlungen

BCAA kann man bei fast allen sportorientierten Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln und natürlich auf Amazon kaufen. Auf ein paar grundsätzliche Faktoren solltest du beim Kauf deines Supplements jedoch immer achten.

Allgemein sollte der Rohstoff in veganer Qualität sein. Nicht vegane BCAA werden häufig aus tierischen Abfallprodukten gewonnen, was nicht gerade sehr appetitlich ist. Auf Details möchten wir in eurem Sinne nicht eingehen. Es sollten keine Inhaltsstoffe zum „Strecken“ enthalten sein, die wenig Sinn machen. Gerne verwendet wird Maltodextrin, um den Geschmack zu verbessern und den BCAA-Gehalt zu senken.

✔️ BCAA Kapseln✔️ BCAA Tabletten✔️ BCAA Drinks✔️ BCAA Pulver
Bei BCAA-Kapseln gibt es ebenfalls große Unterschiede. Es gibt komplett vegane Varianten, bei denen die Kapselhülle aus HPMC (Cellulose) besteht und Kapselhüllen, die aus Rindergelatine bestehen. Solltest du diese zur Aufwertung von veganen oder vegetarischen Mahlzeiten benötigen, machen natürlich nur vegane Kapselhüllen Sinn.

100% vegane Kapseln gibt es zu einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis von ESN. Hier sind keine unnötigen Zutaten enthalten, der BCAA Gehalt beträgt 1000mg pro Kapsel und die Hülle besteht aus HPMC. Wer mit Gelatine keine Probleme hat kann zu den BCAA-Kapseln von EXvital oder Olimp greifen. Bei diesen sind sogar 1100mg BCAA pro Kapsel enthalten. Mit 25€ bis 30€ bekommt man rund 300 Kapseln.

BCAA-Tabletten stellen eher eine Randgruppe dar. Da hier Füllstoffe und Presshilfen verwendet werden müssen, um das Pulver in Tablettenform zu bekommen, fallen diese entweder sehr groß aus und sind schwer einzunehmen, oder man braucht zig Tabletten, um seinen Bedarf zu decken. Wir raten von BCAA-Tabletten ab.

Wer dennoch zu Tabletten greifen möchte, wird bei den großen Marken, wie Biotech Weider und Scitec fündig. Das beste Preis-/Leistungsverhältnis bietet hier Scitec.

Bei BCAA-Drinks sind häufig weitere Inhaltsstoffe enthalten. Schau dir die Inhaltsstoffe an und wäge ab, zu welchem Zweck du den Drink verwenden wirst. Vor dem Training? Dann würde sich ein Drink mit Koffein eignen. Zum Abendessen? Da würde die Wahl wohl eher auf eine Alternative ohne Koffein fallen. Unter den BCAA Drinks gibt es ebenfalls Sorten mit und ohne Zucker.

Ein Drink ohne Kohlehydrate und mit Koffein sowie einer Vitaminmischung, wäre NOCCO BCAA. Mit insgesamt sieben Geschmacksrichtungen ist dieser Drink auch am breitesten aufgestellt. Der BCAA-Gehalt im Verhältnis 8:1:1 fällt mit 2500mg eher schmal aus. Der BCAA KICK von Body Attack enthält die gleiche Menge Koffein, ebenfalls eine Vitaminmischung aber rund 4000mg BCAA im optimalen Verhältnis von 2:1:1. Wer keine Süßstoffe mag, wird beim FOS BCAA Drink fündig. Dieser enthält für die Süße Fructose. Den höchsten BCAA-Gehalt hat der ROCKA DRINK. Mit 5000mg ersetzt dieser im Fall der Fälle eine ganze Proteinmahlzeit. Darüber hinaus ist der ROCKA DRINK koffein- und kohlehydratfrei.

Wir würden euch als Drink mit Koffein den BCAA KICK von Body Attack und als koffeinfreie Variante den ROCKA DRINK empfehlen. Die Drinks kosten zwischen 2€ und 2,50€ pro Dose und würden wir aufgrund des hohen Preises pro Gramm BCAA als Genussmittel bezeichnen.

Bei BCAA-Pulvern sollte ein Emulgator enthalten oder das Pulver auf sonstige Art instantisiert worden sein. Aminosäure verfügen über eine ungemein schlechte Löslichkeit in Flüssigkeiten. Ohne Instantisierung schwimmen diese auf und die Einnahme ist alles andere als ein Genuss.

Beim Preis solltet ihr pro Kilogramm nicht mehr als 60€ bezahlen. Bei günstigen Herstellern wie ESN, Myprotein, Bodylab24 oder Syglabs findet ihr BCAA bereits für um die 20€ für 500g. Namenhafte Marken, wie All Stars, Weider, Blackline 2.0, Zec+ oder Rocka Nutrition rufen gerne auch mal um die 30€ für ähnliche Produkte ab. Wer großen Wert auf überragenden Geschmack hat, ist bei den teureren Marken besser aufgehoben. Wer eher auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis Wert legt sollte sich bei den günstigen Herstellern umschauen. Im Bezug auf die Wirkung, gibt es hier keinen Unterschied.

Wir können euch die Nitro BCAA von ESN empfehlen. Mit über 20 Geschmacksrichtungen und einem Preis von 26,90€ pro 500g ist man gut beraten.

 

Exkurs: Die Verwendung von BCAA in der Medizin

Auch in der Medizin werden Leucin, Isoleucin und Valin gezielt zur Behandlug von Krankheiten und Verletzungen eingesetzt. Teilweise befinden sich die Anwendungsbereiche noch in den Kinderschuhen und die Forschung ist noch nicht abgeschlossen, teilweise werden BCAA aber auch schon erfolgreich in der Medizin angewandt.

Bei Blutvergiftung wird durch die intravenöse Zufuhr über eine Infusion eine Verbesserung des Stickstoffhaushalts erreicht. Bei psychischen Erkrankungen, die auf eine erhöhte Konzentration aromatischer Aminosäuren zurückzuführen sind, die einen Anstieg bestimmter Neurotransmitter auslösen, werden Leucin, Isoleucin und Valin gezielt zum Ausgleich eingesetzt. Genauso bei chronischer Müdigkeit, die durch einen erhöhten Serotoninspiegel verursacht wird.[7]

Beim Männern, die unter einer Spätdyskinesie, einer Krankheit bei der der Organismus die aromatische Aminosäure Phenylalanin nur vermindert abbauen kann, in Folge dessen es zu motorischen Störungen kommt, werden die verzweigtkettigen Aminosäuren ebenfalls eingesetzt. Diese senken die Phenylalaninkonzentration und blockieren die Blut-Hirnschranke für Phenylalanin.[8] Über den selben Mechanismus kann Patienten, die seit Geburt unter einer Phenylketonurie leiden, geholfen werden. Bei dieser Stoffwechselerkrankung, die zu Hirnschädigungen führen kann, wird ebenfalls die das übermäßige Gelangen von Phenylalanin in das Gehirn verhindert. Dies sorgt für eine Eindämmung der Schäden.[9][10]

Auch bei Lebererkrankungen und bei akutem Leberversagen, bei denen hohe Werte an aromatischen Aminosäuren und Methionin beobachtet werden. Werden freies Leucin, Isoleucin und Valin über eine Infusion verabreicht.[11]

Was noch recht am Anfang der Forschung steht, ist die Tatsache, dass BCAA bei alters- und ernährungsbedingtem Diabetes (Diabetes Typ II) die Insulinproduktion anregen kann. Damit können die drei Aminosäuren eine effektive Möglichkeit darstellen nebenwirkungsfrei diese, in der heutigen Zeit fast schon als Volkskrankheit zu bezeichnende, Erkrankung zu behandeln.[12]

 

Fazit zum Thema BCAA

Anfangs haben wir uns gefragt, ob BCAA nun sinnvoll sind oder nicht, ob der Antihype oder der Hype gerecht wird. Wir können euch sagen, dass sie weder per se sinnvoll sind, noch per se unsinnvoll. Auch würden wir euch generell raten irgendwelche Hypes oder Antihypes zu hinterfragen, da doch in aller Regel, die initiierenden Protagonisten diese nicht ohne Eigennutz auslösen. Sei es, dass sie sich in den Vordergrund drängen möchten oder/und selbst Produkte verkaufen möchten, bzw. über den Verkauf Provision erhalten.

Wie du dem Artikel entnehmen konntest machen BCAA unter gewissen Umständen ziemlich Sinn (Diät, lange Sporteinheiten, veganer Ernährung) und unter anderen Umständen (genug Protein, normale Sporteinheiten) keinen Sinn. Wenn du sie zielgerichtet anwendest, wirst du von der Wirkung profitieren und auch kein Geld verbrennen. Und das gilt für Kraftsportler, wie für Ausdauersportler, für Männer wie für Frauen und für jegliche Ernährungsform.

Wie so oft gilt der Grundsatz für Nahrungsergänzungsmittel: Nahrungsergänzungsmittel sind dafür da, deine Ernährung zu ergänzen, bzw. aufzuwerten, und nicht zu ersetzen.

 

Quellen

[1]Riazi et al.: The total branched-chain amino acid requirement in young healthy adult men determined by indicator amino acid oxidation by use of L-[1-13C]phenylalanine, 2003

[2]http://main.poliquingroup.com/articlesmultimedia/articles/article/1088/ten_benefits_of_bcaas.asp

[3]Shimomura et al.: Suppression of glycogen consumption during acute exercise by dietary branched-chain amino acids in rats, 2000

[4]Blomstrand et al.: Influence of ingesting a solution of branched-chain amino acids on perceived exertion during exercise, 1997

[5]Gualano et al.: Branched-chain amino acids supplementation enhances exercise capacity and lipid oxidation during endurance exercise after muscle glycogen depletion, 2011

[6]Baker D. H., “Tolerance for branched-chain amino acids in experimental animals and humans”, Journal of Nutrition 2005;135, S. 1585 – 90.

[7]Davis J. M., et al., “Serotonin and central nervous system fatigue: nutritional considerations”, American Journal of Clinical Nutrition 2000;72(2 Suppl), S. 573 – 78

[8]Richardson M. A., et al. “Efficacy of the branched-chain amino acids in the treatment of tardive dyskinesia in men”, American Journal of Psychiatry, 2003;160(6), S. 1117 – 24.

[9]Pietz J., et al., “Large neutral amino acids block phenylalanine transport into brain tissue in  patients with phenylketonuria”, Journal of Clinical Investigation 1999;103(8), S. 1169 – 78.

[10]Berry H. K., et al., “Valine, isoleucine, and leucine. A new treatment for phenylketonuria”, American Journal of Diseases of Children 1990;144(5), S. 539 – 43.

[11]Mascarenhas R., et al., “New support for branched-chain amino acid supplementation in advanced hepatic failure”, Nutrition Reviews 2004;62(1), S. 33 – 38.

[12]“Beneficial effect of branched-chain amino acid supplementation on diabetes in patients with insulin resistance: Implications for type 2 diabetes” Metabolism, April 2012

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